Die Verbraucherinfo zur "Kaminsanierung"
Wie erkenne ich den Fachbetrieb?
Stichwort: "Kaminsanierung"
Inhalt:
Der Stand der Berufsqualifikation
Die Kontrollmöglichkeiten
Welche Kriterien soll der Verbraucher beachten?
Hohe Kosten verlangen kritische Auswahl
Der Stand der Berufsqualifikation
Kaminsanierung ist kein Lehrberuf und kann zum Beispiel von jedem Bauunternehmer ausgeführt werden.
Da eine Kaminsanierung oft eine sehr hohe Qualifikation erfordert, sollten diese Arbeiten
ausschließlich von Fachfirmen ausgeführt werden.
Ob ein Heizungsbauer oder Installateur für diese Arbeiten, - bei denen
immer in die Statik des Kamines eingegriffen wird (Aufbrüche) - der
geeignete Handwerker ist, bleibt alleine dem Verbraucher überlassen.
Die Kontrollmöglichkeiten
Gesetzliche Vorschriften, DIN-Normen (z.B. Querschnittsberechnung nach DIN 4705), Erlasse usw.
gibt es. Die Überwachung derselben ist, wenn die Kaminsanierung ausgeführt ist und alle
Mauerwerksöffnungen fachgerecht verschlossen sind, meist recht schwierig bis fast unmöglich.
Die Überprüfung durch den Bezirkskaminkehrermeister erfolgt durch Sichtkontrolle.
Er kann nur prüfen, ob der Kaminzug von der Sohle bis zur Mündung frei ist,
ob der Kamin von unten bis oben den gleichen Querschnitt hat und ob die von außen
sichtbaren Teile der Zulassung entsprechen. Der BZKK sieht die Heizung in Verbindung
mit dem Heizraum sowie der Zu- und Abluft natürlich als eine Einheit - wenn die von außen
sichtbaren Teile den Vorschriften entsprechen, erfolgt die Abnahme.
Von der Kaminsanierungsfirma kann er sich noch die Prüfzeugnisse und
bauaufsichtlichen Zulassungen der eingebauten Teile aushändigen lassen.
Damit sind aber seine Möglichkeiten erschöpft.
Was den Kunden wirklich schützt, sind einfache Regeln und Maßnahmen, die jeder Laie beim Einbau
selbst überwachen kann. Die heute am Markt angebotenen Heizkessel - ob Nieder- oder
Tieftemperaturkessel - arbeiten in einem Abgas-Temperaturbereich von 85° C bis 160° C.
Gegenüber den alten Geräten, die zwischen 180° C und Maximal 300° C arbeiten, ist das ein Sprung
vergleichbar mit der Entwicklung in der EDV-Branche. Daß hier die Einheit Heizkessel - Schornstein
ganz genau aufeinander abgestimmt werden muß, ergibt sich von selbst. (Siehe auch Merkblatt
"Abstimmung Heizkessel-Schornstein", das Sie von Ihrem Kaminkehrer beziehen können.)
Welche Kriterien soll der Verbraucher vor der Vergabe des Auftrages besonders beachten?
1. Kaminabschluß an der Kaminmündung
Bei einer technisch guten Kaminsanierung endet das Rohr ca. 15 cm über
der Kaminmündung. Der Rauch gelangt so sofort in den freien Windstrom.
Dehnfugenbleche älterer Bauart schaden mehr als sie nützen.
Folge: Der Kaminkopf wird erneut der Zerstörung ausgesetzt.
2. Kamintürchenanschlüsse :
Das Einsatzrohr hat keine Verbindung zum Kaminschacht und die Reinigungsöffnung
ist nicht mit der Kamintür verbunden.
Der Vorteil besteht darin, dass das Einsatzrohr ein geschloßenes
System darstellt und so kein Kondensat in den
Kaminschacht gelangen kann.
Ein weiterer Vorteil ; Das Eisatzrohr berührt den Kaminschacht nicht,
deshalb kann auch ken Schall übertragen werden..
3. Dehnfuge am Kamintürchenanschluß im Dachgeschoß
Ein Teil der am Markt eingebauten Sanierungssysteme verzichtet auf dieses
Detail.
Folge: Ausdehnungsgeräusche treten auf, das Bauteil wird defekt.
4. Rauchrohranschluß 30° ist ideal
Der Rauchgaswiderstand beim Anschluß 90° ist fast doppelt so hoch
wie beim Rauchrohranschluß 30°.
5. Kondensatrücklaufsperre im Rauchrohranschluß
Wenn diese nicht vorhanden ist, kommt Kondensatflüssigkeit durch das
Rauchrohr zurück in den Heizraum oder fließt gar wieder in den Heizkessel.
Folge: Verschmutzung des Heizraumes bzw. Korrosion im Heizkessel.
6. Verbindungsleitung vom innenliegenden Formteil (Rauchrohranschluß)
zum Übergang ins Rauchrohr bzw. zum Rohrfutter doppelwandig.
Dieses Teil wird oft nicht schwingungsfrei, d.h. komplett in Mineralwolle gebettet,
sondern starr in den Kamin eingebaut und eingemauert.
Folge: Geräuschübertragungen auf den Schornstein, die bis zur Störung
der Nachtruhe gehen, wenn z.B. der Schornsteinschacht am Schlafzimmer
angrenzt.
7. Genaue Abstimmung Heizkessel - Schornsteinquerschnitt
Die DIN 4705 (Querschnittberechnung für Schornsteine) schreibt verbindlich vor, daß
Kaminquerschnittsberechnungen bei Heizkesseln einmal für die kleinste Feuerungsleistung
und einmal für die maximale Feuerungsleistung zu berechnen sind. Sie schreibt weiter vor,
daß der Kamin nach der Berechnung in beiden Bereichen trocken gefahren werden muß
(Querschnittverminderung!). Ist dies nicht möglich, muß ein feuchteunempfindliches Kamin-System,
ein FU-Kamin, eingebaut werden.
8. Kaminaufbau
Um beim Sanierungsangebot die Kosten zu dämpfen, werden oft wichtige
Teile, wie z.B. die Wärmedämmung des Einsatzrohres, einfach weggelassen also Verzicht
auf fachgerechte Wärmedämmung mit vorgepressten bauaufsichtlich zugelassenen Wärmedämmschalen
(Dicke = 20 - 40 mm).
Folgen: zum Teil erhöhter Anfall von Kondenswasser, verbunden mit schwefeliger Säure,
das führt zu Lochfraß.
9. Wandstärke des Einsatzrohres
Ideal ist bei Kaminen von Ein- und Zweifamilienhäusern eine Wandstärke von 0,6mm.
Grund: Bei Verwendung von Rohren mit Wandstärke 0,8 mm oder mehr wird
jedesmal in der Aufzeizphase zuviel Kondensat erzeugt.
Der Grund: Stärkeres Material erwärmt sich langsamer als dünnes.
Weniger ist mehr!
10. Material und Qualität der Kaminsysteme
Bei einer Kaminsanierung mit starren Edelstahlrohren sollte das verwendete
Material die Werkstoff-Nr. 1.4571 oder 1.4404 haben. Dies gilt für eine
Kaminsanierung, bei der eine Querschnittsverminderung (QV)
ausgeführt wird. Nach DIN 4705 Teil 1 muß bei einer QV
sichergestellt sein, daß die Taupunkttemperatur der Rauchgase an der Kaminmündung
bzw. im Kamin nicht unterschritten wird.
Bei den heute angebotenen Heizkesseln mit Zerstäuberbrennern im Leistungsbereich
von 15 - 29KW ist dies bei ca. 90 % der Kaminsanierungen nicht mehr möglich.
Der Grund: Die Abgastemperaturen der Heizkessel sind in der Praxis meist
nur noch etwa 150°C und zum Teil erheblich niedriger. Hier fordert
aber die DIN 4705 Teil 1, gültig ab dem 1.4.1994: Wird die Taupunkttemperatur
an der Kaminmündung bei niedrigster Wärmeleistung unterschritten - d.h.
wenn der Kamin innen feucht wird - ist ein feuchteunempfindliches
Kaminsanierungssystem, kurz FU genannt, einzusetzen.
Beim feuchteunempfindlichen Kamin-System ist der Edelstahl-Werkstoff
Nr. 1.4539 einzusetzen: In dem Forschungsbericht T 86-180 des
Bundesministerium für Forschung und Technologie (untersucht vom TÜV Bayern
steht eindeutig, daß andere Edelstähle bei Ölfeuerungen nur als "bedingt
einsetzbar" gelten.
Der Edelstahl-Werkstoff Nr. 1.4539 ist als einlziger
Edelstahl für den Einsatzbereich Öl und Gas unbedenklich verwendbar. Dies
wird nochmals durch eine Studie der SHELL EUROPA bestätigt.
Hohe Kosten verlangen kritische Auswahl!
Wenn Sie als kritischer Verbraucher die Punkte beachten, die Ihnen
logisch sind, werden Sie mit Sicherheit vor Folgeschäden bei der
Kaminsanierung geschützt sein. Bei den Kosten, die auf 9 von 10 Hausbesitzern
bei einer Kesselauswechslung zukommen, ist eine kritische Auswahl von hohem Nutzen.
Empfehlung:
Lassen Sie sich, bevor Sie einen Auftrag erteilen, von dieser Firma
zwei oder drei Referenzadressen (aus Ihrer Nachbarschaft) geben.
Fragen Sie ruhig dort nach.
Mit diesen Informationen zum Thema Kaminsanierung sind Sie als Verbraucher in der Lage,
technische Details exakt zu hinterfragen. Sie können den Preis auf den ersten Blick,
bei ähnlichen Sanierungsvorschlägen, real und fachgerecht vergleichen.
Augsburg, 6.7.2003
Herausgeber: S. Schneider GmbH
Anton-Sorg-Straße 1, 86199 Augsburg
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